· Pressemitteilung

Notärzte wurden in der ersten Jahreshälfte 1.769-mal alarmiert

Rettungsfahrzeug und HubschrauberDr. Harald Genzwürker
Wichtige Ergänzung im Rettungswesen: die Stationierung eines Rettungshubschraubers im Neckar-Odenwald-Kreis soll 2027 erfolgen.

Leichter Anstieg der Einsatzzahlen

Neckar-Odenwald-Kreis. Ein Notfall zu Hause, am Arbeitsplatz, beim Sport oder im Straßenverkehr – gut, wenn kompetente Hilfe rasch verfügbar ist. Im ersten Halbjahr 2026 wurden die Notärztinnen und Notärzte der Standorte Asbach, Buchen, Hardheim, Mosbach und Osterburken insgesamt 1.769-mal durch die Integrierte Leitstelle in Mosbach alarmiert, die Notrufe über die bundeseinheitliche Notrufnummer 112 entgegennimmt. Dies entspricht im Vergleich zum 1. Halbjahr 2025 einem leichten Anstieg der Einsatzzahlen um 168 Einsätze oder 10,5 Prozent. Damit ist der Trend aus den beiden Vorjahren unterbrochen, 2025 gingen die Alarmierungen um 33 Prozent zurück. Noch 2022 und 2023 waren deutlich steigende Einsatzzahlen zu verzeichnen. Der Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Mosbach, Guido Wenzel, erklärt den Rückgang der Notarzt-Alarmierungen seit dem Jahr 2024 mit dem neuen Notarztindikationskatalog: „2024 hat der Landesausschuss für den Rettungsdienst in Baden-Württemberg diesen Katalog angepasst. Er gibt vor, zu welchen Notfällen eine Notärztin oder ein Notarzt zu alarmieren ist und wann die erweiterten Kompetenzen und Qualifikationen der Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter ausreichen.“ Die Steigerung der Notarzt-Einsatzzahlen im 1. Halbjahr 2026 resultiere dagegen aus mehr Notfällen, bei denen eine Notärztin oder ein Notarzt alarmiert werden musste. „Eine grundsätzliche Tendenz lässt sich daraus nicht ableiten“, so Wenzel weiter.

Bei durchschnittlich 9,8 Notarzteinsätzen pro Tag im Kreisgebiet entfielen die meisten Einsätze auf den Standort Mosbach, dessen Notärztinnen und Notärzte 413-mal alarmiert wurden (2,3 Einsätze pro Tag, im 1. Halbjahr 2025 412 Einsätze). Am Notarztstandort Buchen wurden im ersten Halbjahr insgesamt 404 Einsätze absolviert (2,2 pro Tag, 2025: 352), am Standort Hardheim 294 (1,6 pro Tag, 2025: 237). Auch die Notärzte in Asbach und Osterburken rücken seit sieben Jahren rund um die Uhr aus, in der ersten Jahreshälfte gab es dort 334 bzw. 324 Alarme (jeweils 1,8 pro Tag, 2025: 323 bzw. 277).

Die Notfallmediziner der Neckar-Odenwald-Kliniken und des Krankenhauses Hardheim stellen damit gemeinsam mit den Einsatzkräften des Rettungsdienstes die Notfallversorgung an den insgesamt fünf Standorten im Kreisgebiet rund um die Uhr sicher. Sie werden dabei unterstützt von Ärztinnen und Ärzten der Genossenschaft HonMed, die an verschiedenen Standorten tätig werden. Der Hauptgrund für Notarzteinsätze sind unverändert Erkrankungen des Herzens wie ein Infarkt oder ein Kreislaufstillstand. Auch neurologische Probleme und Bewusstseinsstörungen durch einen Schlaganfall, Hirnblutungen und Krampfanfälle sind häufig, dazu kommen schwerwiegende Atemstörungen. Die Versorgung von Verletzten nach Verkehrs-, Arbeits-, Sport- und Schulunfällen verursacht weniger als ein Fünftel aller Alarmierungen – durch die Medienberichterstattung werden diese Einsätze aber in der Öffentlichkeit naturgemäß viel mehr wahrgenommen.

„Für die Versorgung an der Einsatzstelle ist eine gute Zusammenarbeit der Ärztinnen und Ärzte mit den Rettungssanitätern, Rettungsassistenten und Notfallsanitätern, die Notarzteinsatzfahrzeuge und Rettungswagen besetzen, unabdingbar“, so Priv.-Doz. Dr. Harald Genzwürker, Sprecher der Leitenden Notärzte im Neckar-Odenwald-Kreis und selbst aktiver Notarzt an verschiedenen Standorten. Die aktuelle Mehrbelastung der Rettungsdienste durch langanhaltende Hitzeperioden mit teilweise lebensbedrohlichen Situationen nimmt er zum Anlass, nochmals auf die wichtigsten Schutzmaßnahmen hinzuweisen: „Meiden Sie Hitze und direkte Sonneneinstrahlung wann immer möglich, passen Sie körperliche Aktivitäten an und trinken Sie ausreichend Wasser. Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt über eine Anpassung der Dauermedikation und achten Sie besonders auf ältere Menschen.“

Der DRK-Kreisverband Mosbach stellt die permanente Einsatzbereitschaft der Notarzteinsatzfahrzeuge und die personelle Besetzung in Buchen, Hardheim, Mosbach und Osterburken sicher, der Malteser Hilfsdienst ist für das Fahrzeug in Asbach verantwortlich. Zwei Rettungswagen des DRK sind rund um die Uhr in Mosbach einsatzbereit sowie je ein Fahrzeug in Asbach, Buchen, Hardheim, Osterburken und Schefflenz. Dazu kommen noch ein Fahrzeug täglich von 7 bis 19 Uhr in Robern und der von den Johannitern besetzte Rettungswagen in Walldürn, der seit Oktober im Einsatz ist. Zur Einhaltung der im Rettungsdienstgesetz Baden-Württemberg seit der Aktualisierung vor einem Jahr vorgesehenen 12-minütigen Hilfsfrist sind weitere Rettungswagenstandorte notwendig, die in den zuständigen Gremien diskutiert werden. Die Rettungswagen im Landkreis wurden im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 8.896-mal alarmiert (2025: 7.699, 2024: 7.398, 2023: 6.351, 2022: 6.314, 2021: 5.435). Hier gab es wie in den Vorjahren also einen weiteren deutlichen Anstieg um 1.197 Einsätze oder 15,5 Prozent.

Landrat Dr. Achim Brötel weiß, dass die Notfallversorgung gerade im ländlichen Raum alle Beteiligten vor besondere Herausforderungen stellt. Die besondere Rolle der Luftrettung betont er in diesem Zusammenhang und freut sich, dass durch die kürzlich erfolgte Ausschreibung des Standortes für den „Christoph Odenwald“ nach mehreren Jahren Bewegung in das Thema kam. „Während die Kliniken vor Ort die Grundversorgung sicherstellen, bedarf es für komplexere Krankheitsbilder des schnellen Transports in geeignete Zentren – hier wird der Rettungshubschrauber eine wichtige Lücke schließen.“ Sein Dank gilt allen, die sich für die notfallmedizinische Versorgung einsetzen, sowohl bei den Rettungsdiensten wie auch in den Notaufnahmen der Kliniken sowie den Feuerwehren, die bei zahlreichen Einsätzen unterstützen. Landrat Brötel betont, dass es neben der professionell organisierten Hilfe ein weiteres wichtiges Element gibt, auf das die Bürger im Neckar-Odenwald-Kreis bei medizinischen Notfällen zählen dürfen: „In zahlreichen Ortschaften stellen ehrenamtliche Hilfskräfte eine wichtige Unterstützung dar – gerade in unserem Flächenlandkreis ein unschätzbares Engagement.“ 

Die sogenannten HvO-Gruppen (Helfer vor Ort) der DRK-Ortsvereine werden ebenfalls von der Integrierten Leitstelle in Mosbach alarmiert, wenn in ihrer Gemeinde ein Notfall gemeldet wird, und können so binnen weniger Minuten mit der Erstversorgung beginnen. Auch hier ist ein deutlicher Anstieg im ersten Halbjahr zu verzeichnen, denn bereits 1.721-mal wurden die Ehrenamtlichen zum Einsatz gerufen (plus 12,4 Prozent, 2025: 1.531, 2024: 1.214, 2023: 1.042). Zusätzliche Hilfe bei Patienten mit Kreislaufstillstand bringt seit Oktober 2018 die Smartphone-basierte Alarmierung von mittlerweile über 500 qualifizierten Helfern mit der App „Mobile Retter“.  Die laufenden Unterhaltskosten des Systems trägt der DRK-Kreisverband Mosbach aus Mitgliedsbeiträgen und Zuwendungen. „Eine Kostenbeteiligung durch die Krankenkassen findet leider nicht statt, obgleich das Rettungsdienstgesetz für das Land Baden-Württemberg eine Smartphone-basierte Alarmierung von Ersthelfern vorsieht“, beklagt der Mosbacher DRK-Kreisgeschäftsführer Guido Wenzel.

Wichtigstes Glied der Rettungskette bleiben aber die Ersthelfer, die als zufällige Zeugen eines Notfalls durch den Notruf über die 112 die Aktivierung des Rettungsdienstes sicherstellen. Darüber hinaus können durch einfache, leicht zu erlernende Maßnahmen der Ersten Hilfe die Überlebenschancen von Notfallpatienten gesteigert werden. Dazu gehört auch die Anwendung von Laien-Defibrillatoren, sogenannten AEDs, welche mittlerweile im Rahmen eines Projektes der Kommunalen Gesundheitskonferenz an über 320 Standorten im Landkreis verfügbar gemacht wurden, um die Versorgung bei Patienten mit Herzkreislauf-Stillstand zu verbessern. Kurse für Jedermann werden regelmäßig angeboten, können bei Interesse aber auch für Gruppen und Vereine vor Ort organisiert werden.

Info:

Notarzt und Rettungsdienst sind für akute Notfälle und Verletzungen zuständig und werden über die bundeseinheitliche Notrufnummer 112 verständigt. Der Kassenärztliche Notfalldienst stellt die Vertretung der Hausärzte außerhalb der Sprechstunden sicher und ist über die bundeseinheitliche Rufnummer 116117 erreichbar. Rund um die Uhr bietet die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg eine medizinische Ersteinschätzung über ihren Online-Service unter www.docdirekt.de an.