· Pressemitteilung

Integrationsmanagement zeigt Wege auf

Sabine Braun / DRK-Kreisverband Mosbach
DRK-Integrationsmanagerinnen unterstützen Geflüchtete auf ihrem Weg. Im Vordergrund steht die Hilfe zur Selbsthilfe. Bild: Braun / DRK Mosbach

Zum Jahrestag des Kriegsbeginns in der Ukraine

In diesen Tagen jährt sich der Kriegsbeginn in der Ukraine zum vierten Mal. Hunderttausende flüchteten aus ihrer Heimat, auch in den Neckar-Odenwald-Kreis kamen über 1500 Ukrainerinnen und Ukrainer. Bei ihrer Ankunft standen sie, ebenso wie Geflüchtete aus anderen Ländern, vor einer Vielzahl von Problemen. Das Integrationsmanagement will helfen, dieses Knäuel scheinbar unlösbarer Fragen zu entwirren. 

Im Auftrag des Landkreises sind unter anderem Fachkräfte der Träger der freien Wohlfahrtspflege mit dieser Aufgabe betraut. Zwei von ihnen sind Marta Lata und Adriana Miclaus, Integrationsmanagerinnen des DRK-Kreisverbands Mosbach. Sie begleiten aktuell rund 90 ukrainische Geflüchtete auf ihrem schwierigen Weg. „Wenn die Menschen ihr Leben hier in Deutschland in den Griff bekommen und Erfolg haben, dann ist das auch unser Erfolg“, erzählen Marta Lata und Adriana Miclaus. Mit spürbarer Freude und hohem Engagement machen sie ihre Arbeit, die viel mehr ist als ein „Job“.

Ihre Aufgabe beginnt, wenn die Asylsuchenden nach der Erstaufnahme und der vorläufigen Unterbringung in die sogenannte „Anschlussunterbringung“ in den Städten und Gemeinden wechseln. „Wir werden dann vom Landratsamt und den Kommunen informiert und gehen zusammen mit den Familien in die neue Unterkunft oder die Wohnung. Wir erklären, welche Dokumente auszufüllen sind und informieren, an welche Stellen in der Gemeinde oder im Landratsamt man sich wenden muss“, erzählt Marta Lata über die ersten Kennenlerngespräche. Kinder müssen in der Schule oder im Kindergarten angemeldet werden, man braucht einen Arzt, ein Bankkonto und mehr. Vor allem muss geklärt werden, welche Leistungen dem Geflüchteten zustehen. In all diesen Fragen zeigen die Integrationsmanagerinnen Wege auf und bilden sozusagen die Brücke zu den Behörden.

Das Übersetzungstool des Mobiltelefons ist bei der Arbeit oft gefragt, dennoch wird auch immer wieder ein Dolmetscher gebraucht und vermittelt. Eine große Hilfe seien die interkulturellen Elternmentoren des Landratsamtes, wie auch die Gesundheitslotsen, die für Geflüchtete medizinische Dokumente vorbereiten, Termine organisieren und vieles mehr, berichtet Marta Lata. 

Gemeinsam mit den Betroffenen wird ein individueller Integrationsplan erstellt, in dem die Ziele für die nächsten drei Jahre festgehalten werden. Denn für exakt diesen Zeitraum steht dem Geflüchteten oder Migranten Unterstützung aus dem Integrationsmanagement zu. An oberster Stelle steht die Vermittlung von Sprachkursen, denn ohne Sprachkenntnisse ist kaum ein Job zu bekommen, kann Integration nicht gelingen, sind die beiden Fachkräfte überzeugt.

Sind Grundkenntnisse vorhanden oder geschaffen, geht es um Arbeit: Wie kann man im Heimatland erworbene Qualifikationen anerkennen lassen, wie findet man Arbeit, wie einen Ausbildungsplatz? In all diesen Fragen wollen die psychologisch und pädagogisch geschulten Fachkräfte Ratgeber sein. Die Integrationsmanagerinnen verweisen sie auf die vorhandenen Strukturen, zeigen Wege zu Beratungsstellen und ehrenamtlichen Initiativen auf. 

Als erste Kontaktpersonen werden die Integrationsmanagerinnen auch bei Problemen in der Familie oder in anderen kritischen Situationen angerufen. Wenn es zum Beispiel Ärger in Gemeinschaftsunterkünften gibt, oder auch, wenn es mal finanziell eng wird. In dem Fall kann das DRK über den Tafel- und Kleiderladen mit dem Notwendigsten aushelfen. Vorrangiges Ziel aller Maßnahmen ist es, die Menschen nach und nach zur Selbsthilfe zu befähigen, betont Marta Lata. 

Das geht bei der einen Familie gut, bei der anderen weniger, wissen die beiden Fachfrauen. Entsprechend häufiger sind dann die Kontakte. Die finden ganz oft über das Telefon statt, Hausbesuche stehen ebenfalls oft auf dem Programm. 250 Personen aus zehn Nationen werden aktuell vom DRK Mosbach mit anderthalb Stellen betreut. Die Integrationsmanagerinnen sind gefordert – dennoch strahlen sie im Gespräch: „Wir machen die Arbeit auch nach Jahren noch gerne. Wir sind sehr glücklich, dass wir Menschen helfen können.“

Zum Hintergrund: 

Die DRK-Integrationsmanagerinnen betreuen Familien und Einzelpersonen in den Kommunen Billigheim, Schefflenz, Fahrenbach, Limbach und Waldbrunn. Die Städte Mosbach und Buchen haben eigene Betreuungsstrukturen, weitere Städte und Gemeinden werden vom DRK-Kreisverband Buchen, von der Caritas und der Diakonie betreut. Das Integrationsmanagement wird seit 2025 zentral durch die Koordinierende Stelle auf Kreisebene verpflichtend gesteuert und vernetzt. Finanziert wird die Arbeit durch das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration aus Landesmitteln. Basis der Zusammenarbeit ist der „Pakt für Migration“, den das Land Baden-Württemberg und die kommunalen Landesverbände 2017 angesichts hoher Migrantenzahlen schlossen. Jährlich rund 40 Millionen Euro fließen auf diesem Weg in die Integrationsarbeit.